Die Schulzeit in den 1880ern

In seinen Erinnerungen an seine Schulzeit in den 1880ern schreibt Franz Hobohm eindrucksstark folgende Passage:

Die Pädagogik stand damals auf dem Standpunkte: "Das muß reingeprügelt werden", so nach altpreußischem Kommiß, aus der Zeit, da noch ausgediente Unteroffiziere Schulmeister wurden. Von dieser Erziehungsmethode wurde dann auch allzureichlich Gebrauch gemacht. Ein drastisches Beispiel hierfür, welches selbst des Humors nicht entbehrte, sei hierfür gesetzt: 

Die große Wandtafel in der Schule stand auf einer Staffelei. Eines Tages fällt es dem Kantor ein, sich einmal die Rückseite der Wandtafel anzusehen und erblickte dort sein Konterfei in "Kreidemanier" mit der Unterschrift: "August Langnese". Er erfreute sich eines großen Gesichtserkers. Jetzt schlug es 13! "Wer war das"? - Alles schweigt. Also, den Bakulus ergriffen und bankweise vom Primus angefangen, bekam jeder Junge vier Hiebe aufgezählt. Natürlich setzte ein fürchterliches Brüllen ein, wenngleich sich die Wenigsten aus so alltäglichem etwas machten, aber diese Prozedur hatte noch eine andere, ungeahnte Wirkung. 

In der plötzlich aufgerissenen Klassentür erschien zornmütig, mit in den Hüften gestemmten Händen die Frau Kantor: "August, was soll das, das ist ja nicht auszuhalten?" Das Wohnzimmer lag neben dem Schulzimmer. Darauf der Herr Kantor, auch in Rage: "Mach, daß Du rauskommst, sonst kriegst Du auch ein paar!" Da war Öl ins Feuer gegossen, denn nun folgte ein Sermon, der nicht von Pappe war, und dann knallte die Tür zu.

Aber die Exekution ging unter dem heimlich Grinsen derer weiter, die ihr Teil weg hatten. Und wer war der Künstler dieser Malerei? - Von den damaligen Schülern sicher keiner. Der Betreffende gehörte wohl einem älteren Jahrgang an und hatte die Schule längst verlassen. 


Autor: Franz Hobohm (Hohbaum) - entnommen seinem Gedenkblatt 70 Jahre Bahnhof Dreileben-Drakenstedt